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Top 10 Klassierungen für Juliane Robra, Christoph Keller und Dominique Hischier an den Judo Weltmeisterschaften in Rotterdam
 

„Fight for to win“ – „Kämpfen um zu gewinnen“ hatte Giorgio Vismara, der neue Chef Leistungssport und Nationaltrainer des Schweizerischen Judoverbands von seinen Athleten vor der Weltmeisterschaften in Rotterdam (NL) verlangt. Gesagt getan: Am Ende resultierten drei Platzierungen unter den besten zehn Judokämpfern der Welt. Es war die beste Mannschaftsleistung der Schweizer Judo Nationalmannschaft seit Jahrzehnten.

Guter kämpferischer Auftakt an den ersten beiden Tagen Während der ersten beiden Tage gelangen den Schweizern Ludovic Chammartin in der Kategorie -60kg und David Papaux in der Kategorie -73kg gute Leistungen, jedoch ohne resultatmässig dafür belohnt zu werden. Chammartin konnte an seinen ersten Weltmeisterschaften unter die besten 32 vorstossen. Papaux schied in der ersten Runde aus. Am Freitag und am Samstag wuchsen die Schweizer jedoch so richtig über sich hinaus - die harte Vorbereitung mit dem neuen Nationaltrainer zahlte sich aus.


Christoph Keller bezwingt den Japaner Tomouchi

Christoph Keller, der bereits an den letzten Weltmeisterschaften in Rio de Janeiro den 9. Rang erkämpft hatte, startete äusserst konzentriert in den Wettkampf. Sowohl gegen den Paraguayaner, Sotelo, als auch gegen den Marokkaner, Attaf konnte er sein überlegenes Griffkonzept umsetzen und die Gegner derart unter Druck setzen, dass sie vom Schiedsrichter für ihre Passivität bestraft werden mussten. Im Achtelfinale wartete schliesslich der Japaner, Tomouchi. Auch hier stieg Keller stark in den Kampf ein. Nachdem der Japaner zweimal ins Wanken geraten war, setzte Keller bei einem Fussfeger nach und warf seinen Gegner mit Ippon nach nur einer Kampfminute unter dem Jubel der Schweizer Anhänger auf den Rücken. Im Viertelfinale kam es daraufhin zum Duell gegen den amtierenden Olympiasieger Bischof, welcher gleich zu Kampfbeginn einen Fehler des Schweizers ausnützte und mit Ippon durch einen Schulterwurf den Kampf vorzeitig beendete. In der Hoffnungsrunde schliesslich stand Keller der Vizeeuropameister Ciano im Weg. Trotz eines stark geführten Kampfes erwies sich dieser als etwas zu stark. Der daraus resultierende 7. Rang war für Keller die Belohnung für einen tollen Wettkampf. Steigert sich Keller weiter in diesem Masse, wird er im nächsten Jahr an den Weltmeisterschaften in Tokyo um die Medaille kämpfen. Es bleibt zu hoffen, dass ihm dann das Kunststück, einen Japaner zu bezwingen, erneut gelingen wird.


Juliane Robra bestätigt ihre Klasse


Weltranglisten Nummer 9, Juliane Robra, bekam es in der ersten Runde mit der Kasachin Urdabayeva zu tun: Klassisches („japanisches“) Judo der Schweizerin gegen unorthodoxes („russisches“) Judo der Kasachin. Nach einem schwierigen Beginn setzte sich die Schweizerin mit zwei starken O Soto Gari Angriffen mit Wazaari und schliesslich mit Ippon durch. Noch umkämpfter war aber das Achtelfinale. Die Schweizerin musste gegen die Ukrainerin Smal über die volle Kampfdauer gehen, um sich den Einzug ins Viertelfinale zu sichern. Dort kam es zum Kampf gegen die spätere Weltmeisterin Alvear aus Kolumbien, die überraschend die Weltnummer 2 und Lokalmatadorin Edith Bosch eliminiert hatte. Nachdem die Kolumbianerin durch eine umstrittene Wertung in Führung gegangen war, glich die Schweizerin kurz danach aus. In der Folge dominierte die Schweizerin den Kampf über weite Strecken, bis einer ihrer starken O Soto Gari Angriffe von der Kolumbianerin ausgenützt und für Ippon gekontert wurde. Ähnlich erging es ihr in der Hoffnungsrunde. Die Engländerin Conway wäre eine lösbare Aufgabe gewesen. In Führung liegend musste die Schweizerin jedoch kurz vor Schluss eine Wazaari Wertung einstecken, die sie nicht mehr aufholen konnte. Dies bedeutete für Robra den 7. Schussrang. Mit dem Wissen, dass eine Medaille möglich gewesen wäre, aber dennoch immerhin ihre erste top 10 Klassierung erreicht zu haben, beendete Robra den Wettkampf mit gemischten Gefühlen. Klar ist aber auf alle Fälle, dass sie mit ihrem 7. Platz eine ausgezeichnete Saison und ihre Medaillen an den Weltcup Turnieren bestätigte. Mit ihr wird in Zukunft auf alle Fälle noch mehr zu rechnen sein.


Dominique Hischier zurück an der Weltspitze

Motiviert durch die Vorlagen seine Teamkollegen ging Dominique Hischier an die Tat. Nach vielen Verletzungen fand er wieder zu seiner Form vor knapp zehn Jahren zurück. Nach einem Freilos gewann er durch einen perfekt ausgeführten De Ashi Barai gegen den Kongolesen Nokuku durch Ippon. Im Achtelfinale kam es dann zum Kampf gegen den Tadjiken Sobirov, der in der vorhergehenden Runde den starken Franzosen eliminiert hatte. Nach den ersten brandgefährlichen Angriffen bekam Hischier seinen Gegner immer besser in den Griff. Mit einem Ko Uchi Gari setzte er sich schliesslich mit einem Wazaari durch. Im Viertelfinale wartete daraufhin der Russe Denisov. Diesem musste sich Hischier geschlagen geben, obwohl er gegen Kampfende immer besser in den Kampf fand und Chancen hatte, den Kampf zu seinen Gunsten zu entscheiden. In der Hoffnungsrunde stand der Slowake Randl an. Hischier, der noch vor Monatsfrist im Finale des Europacup Turniers in Celje diesem klar unterlegen war, kämpfte erneut stark auf. Obwohl er mit dem Griffkonzept des Slowaken nicht klar kam, hielt er den Kampf bis zum Ende offen und unterlag nur mit der kleinsten Wertung wegen Passivität, was ebenfalls den 7. Schlussrang bedeutete. Für Hischier war dies (bislang) der erfolgreichste Wettkampf seiner langen und in den letzten Jahren durch viele Verletzungen geprägten Karriere.


Aus Schweizer Sicht ging mit diesen drei top 10 Klassierungen somit eine rundum erfolgreiche Weltmeisterschaft zu Ende. Auch wenn die Medaille fehlte, war es aus Mannschaftssicht die erfolgreichste Weltmeisterschaft der letzten Jahre. Das neue Führungsteam im Leistungssport mit Giorgio Vismara und Ran Grünenfelder hat somit eine erste Referenz gesetzt. Gefragt, wie er denn die Leistung seiner neuen Athleten beurteile, meinte Giorgio Vismara aber nur, dass der erste Schritt nun gemacht sei…


Resultate:

Ludovic Chammartin, -60kg - 1/32 Finale: Sieg gegen Sakar (ALG) mit Ippon
- 1/16 Finale: Niederlage gegen Jokinen (FIN) mit Ippon


David Papaux, -73kg - 1/32 Finale: Niederlage gegen Leando (BRA) mit Ippon


Christoph Keller, -81kg - 1/32 Finale: Sieg gegen Sotelo (PAR) mit Ippon
- 1/16 Finale: Sieg gegen Attaf (MAR) mit Ippon
- 1/8 Finale: Sieg gegen Tomouchi (JPN) mit Ippon
- 1/4 Finale: Niederlage gegen Bischof (GER) mit Ippon
- Hoffnungsrunde: Niederlage gegen Ciano (ITA) mit Yuko


Dominique Hischier, -90kg
-1/32 Finale: Freilos -1/16 Finale: Sieg gegen Nokuku (COD) mit Ippon
-1/8 Finale: Sieg gegen Sobirov (TJK) mit Ippon
-1/4 Finale: Niederlage gegen Denisov (RUS) mit Ippon
- Hoffnungsrunde: Niederlage gegen Randl (SVK) mit Yuko


Juliane Robra, -70kg - 1/16 Finale: Sieg gegen Urdabayeva (KAZ) mit Ippon
- 1/8 Finale: Sieg gegen Smal (UKR) mit Yuko
- 1/4 Finale: Niederlage gegen Alvear (COL) mit Ippon
- Hoffnungsrunde: Niederlage gegen Conway (GBR) mit Wazaari